Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.


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Die acht erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände der vier interviewten ErwachsenenbildnerInnen

Die hier definierten erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände werden im Rahmen dieser Arbeit über die lebensgeschichtliche Einbettung von Lernbiographien [Lernbiografien] als “erwachsenenbildnerische Lern- und Lehrgegenstände” bezeichnet, laut der Definition unter “Explikation”. Was die Benennung der erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände der InterviewpartnerInnen angeht gilt: Ein Lehrgegenstand kann nicht nur ein Unterrichtsgegenstand im üblichen Verständnis sein, er richtet sich vielmehr nach den verwendeten Bezeichnungen der ErwachsenenbildnerInnen. Falls im Interview keine erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände genannt wurden, was in einem Fall (M53) zutrifft, sind die erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände interpretativ festgelegt. Die Angaben aus der im Sinne von MAYRING engen Kontextanalyse werden bei der Festlegung der erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände durch eine über den Text hinausgreifende weite Kontextanalyse ergänzt. Die dazu verwendeten, das Angebot der ErwachsenenbildnerInnen beschreibenden Programme sind hier aber nicht als Literatur zitiert, um die Anonymität der InterviewpartnerInnen zu wahren.
W39: “Keramik”
Die Benennung des Lehrgegenstandes folgt dem von W39 gebrauchten Begriff.

190 W39: Also, mit der Keramik angefangen habe ich dann schon wie die
191 Tochter hier im Kindergarten war . (...)

In Veranstaltungsprogrammen der Erwachsenenbildung scheint W39 zwar nicht namentlich auf, bestimmte Angebote dürfen aber eindeutig von ihr stammen; es ergibt sich daraus keine Differenz zu ihren Aussagen im Interview.
W54: “Sprachlicher Bereich”, “pädagogischer Bereich”
Die Benennung der erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände folgt hier weitgehend einer vom M54 gebrauchten Bereichseinteilung (vgl. auch 399-403, 578).

424 (...) der eine Bereich dieser Erziehungs
425 diese pädagogische Bereich und das andere eben dieser rhetorisch
426 kommunikative Bereich (...)
154 (...) der sprachliche
155 Bereich hat überhaupt keine Schwierigkeiten gemacht (...)
Die in Veranstaltungsprogrammen angeführten Angebote der Erwachsenenbildung von M54 decken sich gut mit ihren Aussagen im Interview.
M53: “Religiöse Bildung”, “Soziales”, “Ladiner”
Im lebensgeschichtlichen Interview benennt M53 nicht die Gegenstände, die er als lehrender Erwachsenenbilder vermittelt, vielmehr ist für ihn die Lehre in der Erwachsenenbildung eine Tätigkeit von vielen als Diözesanassistent der Organisation 1.

110 (...) jetzt was die die Tätigkeit im
111 [Organisation 1] für mich besteht eben darin daß ich Zeit mir Zeit
112 nehme regelmäßig zu lesen oder zu studieren Zeitschriften oder
113 auch so oder . auch bestimmte Kurse zu besuchen oder Weiterbildung
114 und dann was ich kann oder was ich lerne oder was, lerne ich zum
115 Beispiel auch . gezielt eben für meine Position im [Organisation
116 1] weil ich ja oft . reden muß, ich habe viel viel, Kontakt mit
117 Leuten eben in den Leitungsgremien des [Organisation 1], dann vor
118 allem in den Ortsgruppen und, meine Aufgabe ist eben, Bildung und
119 religiöse Bildung Glaubensbildung Glaubensschulung, dann auch zum
120 Beispiel die, innerhalb der Christlichen Soziallehre, und nachdem
121 ich eben als Priester oder Theologe und Soziologe . versuche eben
122 Analysen zu machen über unsere Gesellschaft Zeit Welt der Arbeit
123 und dann eben . propositiv etwas vorzuschlagen aufgrund von . eben
124 von Ideen der Soziallehre der Kirche . bin dann tätig in
125 Konferenzen Kursen, dann Referaten und, eben Dom-[Organisation 1]
126 und auch im [Organisation 2] . schreibe regelmäßig für die
127 [Organisation 1]-Zeitung . ich bin dann auch tätig bei der RAI für
128 die für ladinische Sendungen, mache ich so regelmäßig auch ...
129 jaja bin auch für die Diözese oder in der Diözese oder so auch für
130 bestimmte Fragen der . Pastoral der Welt der Arbeit so zuständig (...)

Erst aus Veranstaltungsprogrammen der Erwachsenenbildung lassen sich erwachsenenbildnerische Lehrgegenstände erkenne, die dann meist mit den Gegenständen übereinstimmen, die M53 im Rahmen seiner gesamten Tätigkeiten benennt. Interpretativ wurde folgende Benennung von Lehrgegenständen vorgenommen:
M42: “Selbst- und Sozialkompetenz”, “Bildungs- und Kulturmanagement”
Die Benennung der erwachsenenbildnerischen Lehrgegenstände folgt deren Benennung von M42.
519 (...) habe ich dann begonnen im Erwachsenenbereich
520 aber immer auf beruflicher Ebene, äh Seminare anzubieten die
521 teilweise, öffentlich zugänglich sind aber mittlerweile zu achtzig
522 Prozent betriebsintern sind, das heißt äh daß ich äh den größten
523 Teil meiner Erwachsenenbildung, betriebsintern mache und zwar
524 unabhängig von der Ma vom vom Fachlichen her sprich welches
525 Produkt sie verkaufen wird einfach einmal in Selbst und
526 Sozialkompetenz gearbeitet und das sind nicht Seminare im üblichen
527 Sinn sondern es sind äh Seminare die äh in Richtung äh ja fast ein
528 Lehrgang sind, aufgebaut mit einem Einstiegsseminar damit wir die
529 selbe Sprache sprechen dann wird es in die eigene menschliche
530 Realität hinuntergebrochen da sind nicht mehr Leute dabei als
531 maximal zehn Leute mit äh der Möglichkeit des persönlichen
532 Coachings (...)

M42 scheint in Veranstaltungsprogrammen der Erwachsenenbildung u.a. mit einem Bildungsangebot über die Führung eines Unternehmens für UnternehmerInnen und GeschäftsführerInnen auf. Dies entspricht M42’s Angaben im Interview.

561 M42: Bin ich dann angesprochen worden ob ich nicht sozusagen im
562 allgemeinen Erwachsenenbil im Erwachsenenbildungsbereich
563 einsteigen möchte und äh dann habe ich gesagt ja grundsätzlich
564 möchte ich das nicht aber ich könnte so Ausbrecher schon machen
565 habe dann zum Beispiel einen Bildungs und Kulturmanagementlehrgang
566 geleitet der äh auf der einen Seite zwar sehr viel Fachliches
567 hinübergebracht hat aber auf der anderen Seite eben auch sehr
568 vieles Sozial und Selbstkompetenz äh mitgegeben hat und äh das
569 waren die ersten Schritte im puren Erwachsenenbildungs umfeld (...)

Es steht aber auch hier die Selbst- und Sozialkompetenz als Inhalt im Vordergrund, so daß man “Bildungs- und Kulturmanagement” gleichsetzen könnte mit produkt- bzw. spezifisch kundenbezogenen Inhalten in der betrieblichen Weiterbildungstätigkeit, die aber immer auf die Selbst- und Sozialkompetenz zentriert.



©  1998


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