Pöhl Stefan: Lernbiographien von ErwachsenenbildnerInnen. Lebensgeschichtliche Einbettung der erwachsenenbildnerischen Lern- und Lehrgegestände von vier Südtiroler EwachsenenbilderInnen. (Diplomarbeit) Innsbruck 1998.


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An Stelle einer “Schlußfolgerung”

Zu Beginn der abschließenden Ergebnispräsentation wurde eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Unterpunkten, daraus das Erstellen von ersten theoriehaften Konstruktionen und die Diskussion dieser mit Ergebnisse aus anderen Forschungen angekündigt. Der erste Teil dieser Ankündigung wurde eingehalten, der zweite Teil teilweise, der dritte fehlt aber. Dies liegt daran, daß für den Aspekt des “ErwachsenenbildnerIn werden und Lehren” einiges an Referenzwerten in Literatur zu finden ist, nicht aber zu den zentralen Aspekten dieser Arbeit, den Lernbiographien [Lernbiografien], d.h. der lebensgeschichtlichen Einbettung der Lerngegenstände. Die wenigen vorhandenen Arbeiten (siehe unter “Gegenstände der Biographieforschung”) sind auf Teilaspekte (weibliche Biographien, weibliche Biographien auf dem Lande) fokussiert oder in ihren mit quantitativen Methoden zugespitzten Aussagen zu allgemein (etwa FINGER 1991), als daß es Sinn machen würde, sie als Referenzwerte heranzuziehen. Zum fehlenden Vergleich dieser Ergebnisse mit anderen Forschungen kommt nun noch der fehlende “Anwendungszusammenhang” für diese Ergebnisse. Wie unter “Themenfindung und Zustandekommen des Samples” beschrieben, stammt das Thema offenbar aus einem praktischen Bedürfnis des Thema-Gebers, wobei die Einzelheiten dieses praktischen Bedürfnisses aber unbekannt sind. Und vielleicht liegt es auch daran, daß die Ergebnisse diese Arbeit sich an keinem Teilaspekt (wie er etwa in der Literatur zu finden ist) orientieren und statt dessen sich aus einer mehrstufigen Abstraktion von Einzelergebnissen zu einem relativ abstrakten und anwendungsdesinteressierten Gesamtergebnis aufschichten. Die Ergebnisse stehen nur einfach für den bereit, der sie brauchen kann, versehen mit dem Hinweis auf das diese Arbeit zugrundeliegende heuristische Forschungsverständnis. Die Überprüfung der zu Beginn der Interpretation aufgestellten Hypothesen hat, wie bei den Ergebnissen mehrfach notiert, die Aufmerksamkeit auf neue Aspekte gelenkt, diese könnten nun wieder Gegenstand einer qualitativen Forschung werden, was nicht heißen soll, daß die gefundenen Verdichtungen von Hinweisen es nicht schon wert wären, auch quantifizierend weiterverfolgt zu werden.

Als ein Bereich, für den sich die Ergebnisse aus dieser Arbeit anbieten würden, ist der Bereich der Ausbildung in der Erwachsenenbildung zu nennen, allerdings kann mit diesen Ergebnissen nichts hinzugefügt werden, was etwa FINGER oder FRÖHLICH nicht schon festgestellt hätten. Dabei geht es durchwegs um die Forderung der Berücksichtigung der Erfahrung der ErwachsenenbildnerInnen in einer Ausbildung für ErwachsenenbildnerInnen

“Bringt man Erwachsenenbildung als Praxis mit den Bildungsprozessen der ErwachsenenbildnerInnen in Zusammenhang, so zeigt sich, daß ErwachsenenbildnerInnen nicht unbedingt zu ErwachsenenbildnerInnen ausgebildet werden können. Vielmehr muß man feststellen, daß ErwachsenenbildnerInnen aus ihrem eigenen Leben und Bildungsprozeß schöpfen, um erwachsenenbildnerisch tätig zu sein. Eine Grundausbildung für ErwachsenenbildnerInnen erweist sich in diesem Zusammenhang als wertlos, denn letztlich sind die Lebens- und Lernerfahrungen für die konkrete praktische Tätigkeit unersetzlich. Hingegen kann eine Weiterbildung für ErwachsenenbildnerInnen den PraktikerInnen helfen, aus ihren persönlich-beruflichen Lebens- und Lernerfahrungen bewußter, systematischer und effizienter zu schöpfen.” (FINGER 1991, 106)

In einer berufsbegleitenden Ausbildung für schon berufstätige ErwachsenenbildnerInnen in Luzern werden die eigenen Lern- und Lehrerfahrungen zum Ausgangspunkt genommen.

“Ziel der biographischen Arbeit ist es, sich an diese Erfahrungen (eigene Bildungsgeschichte und Alltagstheorien über Lehren und Lernen; SP) zu erinnern, sie in – eventuell neuen – Zusammenhängen zu sehen und dadurch ein vertieftes Bewußtsein über das eigene Ausbildungsverhältnis zu erlangen. Ziel ist aber auch, sich mit anderen Bildungsgeschichten auseinanderzusetzen, Unterschiede wahrzunehmen und zu generellen Aussagen über Bildungsprozesse zu kommen. Im Hinblick auf wirksames pädagogisches Handeln ist es entscheidend, daß diese Aussagen mit den eigenen Erfahrungen verbunden sind und nicht einfach aus Theorien abgeleitet werden.” (FRÖHLICH 1992, 38)

Ebenso berücksichtigt der Hochschullehrgang für pädagogische MitarbeiterInnen in der Weiterbildung die Erfahrung der ErwachsenenbildnerInnen bei den Ausbildungszielen.

“Im einzelnen geht es um die Aneignung folgender Kenntnisse und Fähigkeiten: (... ...) Die eigene Lerngeschichte zu kennen und in der Kommunikation zu verwerten. (...).” (TROMPEDELLER 1995, 23)



©  1998


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