Biografieforschung in meinen Herkunftsfamilien: Pöhl, Rabensteiner - Rekonstruktion der Biografien, Verortung dieser in der Zeitgeschichte, Rekonstruktion von Beziehungen und Themen

(Wien und Südtirol, 1997/2004 - ...)



Das Projekt der Biografieforschung in meiner und den Herkunftsfamilien meiner Eltern hat sich nach dem Interview eines Verwandten im Jahr 1997 (damals noch in Innsbruck) langsam entwickelt und ist für mich dann in Wien ab 2004 in den Vordergrund getreten. Im Jahr 2013 bin ich ans Ende der "Datenerhebung" gelangt, nicht wegen "theoretischer Sättigung", sondern weil ich keine noch Lebenden mehr gefunden habe, die mir aus eigenem Erleben berichten konnten oder wollten. Von der beträchtlichen Zahl von Tonaufnahmen aus Interviews und Gedächtnisprotokollen aus Gesprächen sind ca. 1/4 schon transkribiert, der Rest protokolliert. Inzwischen habe ich auch schon 3 Anläufe zur Vertextung genommen, 2 davon sind gescheitert, weil zuviel "alles" der Gegenstand war. Im 3. Anlauf mit einer zuerst ausschließlichen Rekonstruktion der Biographien sind schon die Teil-Rekonstruktion von 2 Biographien (Pöhl Luis sen. [Textbeispiel] und Prantl Anna) entstanden. Als "Daten" dazugekommen sind während der Vertextungsphase auch verschiedene Archivalien - und etliche werden noch einzuholen sein.

Die Textsorte Rekonstruktion der Biographien wird sinnvollerweise mit der Textsorte Verortung in der Zeitgeschichte verwoben. Mit dem Protokollieren und Transkribieren von Interviews und dem Vertexten von Rekonstruktionen der Biographien geht es nun weiter und aus dem großen Pool von seit Beginn der Forschung gesammelten Memos entsteht zwischendurch schon der eine oder andere Text der Sorte Beziehungen und Themen. Ein weiterer Teil der Memos geht der Frage nach, warum der jeweilige Interviewte mir bestimmte Inhalte gerade so erzählt oder auch nicht erzählt. Daraus soll die Textsorte der erzähltheoretischen Interpretation der Interviews erarbeitet werden, anhand der die erzählten Inhalte für die Rekonstruktion der Biographien und den Beziehungen und Themen gewichtet werden können. Dabei verändern sich die Texte aller 4 Sorten in einem zirkulären Prozess immer wieder gegenseitig und sind deshalb stets un-fertig.

In den verwendeten Forschungsansätzen folge ich vor allem Heinz BLAUMEISER (Biographieforschung, Biographiearbeit), weiters Heiner LEGEWIE (Transkriptionsregeln), Fritz SCHÜTZE (narratives Interview, erzähltheoretische Grundlagen der Biographieforschung), Bettina DAUSIEN (Biographiearbeit), Barney GLASER / Anslem STRAUSS (Grounded Theory), Peter BERGER / Thomas LUCKMANN (Konstruktivismus).



[ Seitenanfang ]

Fragen / Recherchen

Gesucht sind Informationen zum Soldat Alois Pöhl im Ersten Weltkrieg und in russischer Kriegsgefangenschaft

Falls sie Miliätärdokumente, private Aufzeichnunen (Feldpost, Tagebuch, ...) oder Fotos von Armeeangehörigen haben in denen Alois Pöhl vorkommt, wäre ich Ihnen für eine Mitteilung dankbar: Auch Dokumente, private Aufzeichnungen oder Fotografien zu unten genannten Ereignissen, Orten oder der Militäreinheit in denen Alois Pöhl nicht namentlich vorkommt, sind für mich sehr interessant!

Pöhl Alois wurde 1879 in Riffian in Tirol (heute Südtirol) geboren. Wahrscheinlich am 24. Februar 1915 wurde er im Rahmen einer Landsturm-Musterung in Meran gemustert und als "Landsturm-Jäger" dem 2. Regiment der Tiroler Kaiserjäger in der 2. Ersatzkompanie / Ersatzkompagnie zugeordnet. Der Musterung von Alois Pöhl sollte eine Ausbildung gefolgt sein, eine Ausbildung zum Schießen, denn das war die Aufgabe der "Jäger". Statt fanden Musterung und Ausbildung wahrscheinlich in Brixen, dem damaligen Standort des Ersatzbatallions (die der Ersatzkompanie übergeordnete Organisationseinheit) des 2. Regiments der Tiroler Kaiserjäger.

Daraufhin erfolgte die Überstellung an die Front, dort wurden die Angehörigen der Ersatzkompanien meist den schon existierenden Einheiten zugeordnet. Möglicherweise traf Alois Pöhl am 25. Februar oder 25. März 1915 in Galizien ein, und wäre dann jedenfalls bei der Durchbruchsschlacht von Gorlice-Tarnow dabei gewesen. Bei dieser Schlacht wurden die Russen zurückgedrängt, worauf sie sich ab dem 10. Mai hinter den Fluss San zurückzogen. Der Frontverlauf verlagerte sich also von der Mitte an den Ostrand des heutigen Polen. Nicht auszuschließen ist auch ein Spitalsaufenthalt von Alois Pöhl eventuell mit vorhergehender Verwundung. Alois Pöhl geriet dann zwischen 21. Mai und 4. Juni nach einem russischen Durchbruch durch die Frontlinie der Kaiserjäger bei Nowosielec am San in russische Kriegsgefangenschaft. Das wahrscheinlichste Datum ist dabei der 2. Jun. 1915. Nowosielec liegt zirka sieben Kilometer westlich der Stadt Rudnik, heute in Südost-Polen, zirka siebzig Kilometer westlich der heutigen polnisch-ukrainischen und 100 km nördlich der heutigen polnisch-slowakischen Grenze und lag vor dem Ersten Weltkrieg im österreichisch-ungarischen Galizien, zirka zwanzig Kilometer von der damligen österreichisch-russischen Grenze entfernt.

Während seiner Kriegsgefangenschaft wurde Alois Pöhl nach "Kutschy, Gv. Pensa" verbracht, wahrscheinlich auch noch in andere Lager nach Sibirien. Pensa bzw. Penza ist ein Region mit gleichnamiger Hauptstadt in Russland südöstlich von Moskau und nördlich von Wolgograd.

Am 10. Apr. 1919 kehrte Alois Pöhl aus der Kriegsgefangenschaft nach Südtirol heim. Möglicherweise war er vorher eine zeitlang in Innsbruck.


Von welchem Fotograf (wahrscheinlich in Klausen oder Brixen) wurden diese Fotografien gemacht?

Die Fotos / Bilder entstanden im Zeitraum von 1920 bis 1950, gemeinsame Merkmale sind: die Bodenmusterung, der Hintergrund, der Stuhl. Informationen bitte an





[ Seitenanfang ]