Gesprächskreis-Projekt "So isch's gwesn"

Pressestimmen


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... Lebensgeschichtliche Erinnerungen

Das eingene Leben überdenken, mit den Erfahrungen anderer vergleichen, zum Schluß kommen, daß es "doch etwas gebracht hat", nämlich Erkenntnisse und damit - wie auch immer - einen Sinn hatte. Aus dem eingenen Leben lernen - wie macht man das? Und wie erzählt man richtig, wie's war bzw. wie man es damal empfunden hat? Der Pädagogikstudent Stefan Pöhl hat da ein Konzept ausgearbeitet, das mit einem Kreis interessierter Senioren verwirklicht werden soll. Der Gesprächskreis, der den Beteiligten interessante Blickwinkel zu eröffnen verspricht, ist ab Mittwoch, 8. April, 16 bis 18 Uhr (immer mittwochs) in der Sozialstation Wilten, Kaiser-Josef-Straße 5, geplant. Anmeldungen bitte unter Tel. 33737-25. ...

(Ausschnitt aus einem Artikel von Charlotte Schnorr in der "Tiroler Tageszeitung" vom 11. März 1998 mit dem Titel "Lieber gemeinsam als einsam. Zahlreiche Initiativen für interessierte ältere Menschen in Innsbruck lassen aufhorchen")


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Geplanter Gesprächskreis für Ältere macht aus der persönlichen Vergangenheit "Geschichte"

Neue Sicht des eigenen Lebens

Von Charlotte Schnorr

Je älter ein Mensch ist, desto mehr Vergangenheit "gehört" ihm. Im wahrsten Sinne, denn die Vergangenheit verändert sich nicht mehr – ändern kann sich nur die persönliche Einstellung dazu.

"So isch's gwesen" ist der Titel eines Arbeitskreises, den (wie am vorigen Mittwoch auf dieser Seite bereits kurz erwähnt) der Innsbrucker Sozial- und Gesundheitssprengel ab 8. April anbietet. Vorerst bis Herbst jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr in der Sozialstation Wilten, Kaiser-Josef-Straße 5.

Das eigene Leben und jenes der anderen

Es handelt sich dabei aber nicht nur um eine Plauderrunde von Menschen, die sich "mitteilen" wollen und ein Publikum dafür suchen, sondern um einen weiterführenden Gedankenaustausch: Wie war's denn wirklich? Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht, eigene Erkenntnisse daraus gewonnen. Geprägt durch seine soziale Herkunft, seine familiäre Erziehung, seine persönlichen Fähigkeiten. Aber auch geprägt durch gesellschaftliche Gegebenheiten. Der Mensch lebt nicht allein, jeder stößt an Grenzen der persönlichen Entfaltung, muß sich irgendwo einfügen. Gestern wie heute.

"Biographisches Lernen" ist ein relativ neuer Begriff, der die Lebensgeschichte des einzelnen ins Verhältnis zur Geschichte der Gesellschaft setzt und dadurch den einzelnen zu neuen Erkenntnissen führt. Nicht im Sinne einer Wertung: Dieses oder jenes habe ich falsch gemacht. Auch nicht im Sinne einer Entschuldigung: Ich konnte ja nicht anders. Sondern im Sinne einer umfassenderen Erkenntnis: So war es halt. Punktum. Daran läßt sich jetzt nicht mehr rüttlen. Von den scheinbar unendlich vielen theoretischen Möglichkeiten kann in der Praxis jeder Mensch nur eine – ureigene ergreifen. Und im Vergleich zum Leben anderer Menschen, zusammen mit vielen anderen "Lebenswahrheiten", ergibt das alles ein übersichtlicheres Bild, nämlich wie das Leben in einer bestimmten noch nachvollziehbaren Epoche "wirklich war".

Das Konzept für diesen Innsbrucker Gesprächskreis stammt vom Pädagogikstudenten Stefan Pöhl, der dazu das entsprechende fachliche Wissen, vor allem durch einschlägige Literatur, einbringt. Die Leitung der Runde übernimmt er kostenlos, weil auch er, wie er betont, dadurch lernt: nämlich Erfahrung im Gespräch mit Menschen, praktische Kompetenz für seine weitere berufliche Entwicklung. Gleichsam also ein Paradebeispiel dafür, wie jüngere und ältere Menschen einander über die Generationengrenzen hinweg ergänzen könnten. Daß beide zusammenkommen, organisiert der Innsbrucker Sozial und Gesundheitssprengel, der auch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Und so soll der Gesprächskreis ausschauen: Angestrebt wird eine Gruppe von regelmäßigen TeilnehmerInnen, vorerst bis Herbst. Idealerweise sollten die TeilnehmerInnen bezüglich ihres Herkunftsmilieus und ihres Alters gemischt sein, weil dann die Erzählungen für Zuhörer, denen die Lebenswelt des Erzählers weniger bekannt ist, ergiebiger ausfallen. Durch die jeweilige Erzählung wird vorerst die Basis für die nachfolgende Diskussion geschaffen werden: "Die Reaktionen der Zuhörer sollen nicht Argumenten zum Sieg verhelfen, sondern Impulse zur Neubewertung des Erzählten darstellen", heißt es im Konzept. "So isch's gwesen" – Interessierte können mit dem Sprengel unter Tel. 0512/33 7 37 25 Kontakt aufnehmen.

Tiroler Tageszeitung vom 18. März 1998


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Gesprächskreis für Senioren

INNSBRUCK. Erinnerungen an früher sind vor allem bei älteren Menschen in Fülle vorhanden. Der Sozial- und Gesundheitssprengel Innsbruck-Stadt lädt daher Innsbrucker Seniorinnen und Senioren ein, von früher zu erzählen und gemeinsam in die Vergangenheit zurückzukehren. Es gibt wöchentliche Gesprächsrunden, die der Pädagogikstuden Stefan Pöhl leitet. Jüngere Besucher, die gern mehr über früher wissen wollen, sind zur Teilnahme ebenfalls herzlich eingeladen. Der erste Gesprächskreis zum Thema "Die Kindheit" findet am 8. April in der Sozialstation Wilten, Kaiser-Josef-Straße 5, von 16 bis 17.30 statt. Weiter Termine: 15. April (Thema: "Die Schule"), 22. April ("Die erste Arbeit"), 29. April ("Das Wohnen"), 6. Mai ("Ferien und Urlaub"). Anmeldungen bei Evelyn Lödl unter der Telefonnummer 33 7 37/41. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Tiroler Tageszeitung vom 7. April 1998


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Lebensgeschichtlicher Gesprächskreis "So isch's gwesn"

Bei Erzählen können Alt und Jung gemeinsam vieles entdecken

Seit 8. April findet in der Sozial- und Gesundheitsstation Wilten / Innere Stadt in der Kaiser-Josef-Straße 5 an jedem Mittwoch von 16 bis 18 Uhr der lebensgeschichtliche Gesprächskreis "So isch's gwesn" statt. Dazu sind ältere und junge Menschen eingeladen. Bei jedem Treffen steht ein anderes Thema im Mittelpunkt, zu dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgerufen sind, aus ihrem Leben zu erzählen (Zur Zeit ist aber Sommerpause).

Wenn es um das Erzählen geht, dann könnte man vielleicht meinen, daß man nichts Besonders zu erzählen hat. Aber es kommt beim lebensgeschichtlichen Gesprächskreis "So isch's gwesn" nicht auf besondere Geschichten an, sondern auf die ganz alltäglichen Geschichten aus dem eigenen Leben.

Die Themen, zu denen bisher erzählt wurde sind etwa "Die Kindheit", "Die erste Arbeit", "Das Wohnen", "Die Hochzeit" usw. Unter Anleitung des Gesprächskreisleiters Stefan Pöhl wird dann versucht, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erzählten Erlebnisse gemeinsam zu vergleichen: Wie war es früher und wie ist es heute? Wie haben es die Frauen und wie haben es die Männer erlebt? Wie wurde es auf dem Lande und wie in der Stadt erlebt? Wie wurde es von Bauern, Arbeitern, Kaufleuten und Beamten erlebt?

Bei diesen gemeinsamen Vergleichen von ganz alltäglichen Geschichten kommt dann plötzlich das Typische der Zeit hervor, und es zeigt sich, was sich alles verändert hat und was gleichgeblieben ist. Aber nicht nur das Typische wird deutlich, man erkennt auch die Vielfalt der Lebenswege, und dann ist es manchmal gar nicht mehr so einfach zu sagen "Früher war es so und heute ist es so".

Dazu als Beispiel eine Zusammenfassung der Erzählungen zum Thema "Die erste Arbeit":
Aus der Vielfalt des Erzählten stellte sich bei den Erzählerinnen heraus, daß besonders der Vater sehr bestimmend bei der Wahl des Berufes war, so konnten Berufshoffnungen im musischen Bereich meist nicht verwirklicht werden. Andererseits waren es auch die Väter, die die Töchter auf weiterführende Schulen schickten, wodurch die Ausübung eines Berufes meist möglich wurde. Günstig auf die Berufslaufbahn wirkte sich auch der Wechsel des politischen Systems aus. Sehr anregend waren die Erzählungen, die die Rechte am Arbeitsplatz zum Ausdruck brachten, vor allem im Vergleich zu den heute üblichen Rechten.

Die Idee zum lebensgeschichtlichen Gesprächskreis stammt vom Pädagogikstudenten Stefan Pöhl. Zur Verwirklichung dieser Idee hat der Sozial- und Gesundheitssprengel Innsbruck-Stadt beigetragen, der für dieses Projekt im Rahmen der Gemeinwesenarbeit einen Raum in der Sozial- und Gesundheitsstation Wilten / Innere Stadt zur Verfügung stellte und für die Ankündigung dieses Projekts sorgte. Mit der Sozial- und Gesundheitsstation Wilten/lnnere Stadt ist es inzwischen auch schon zu einer Zusammenarbeit gekommen. Fr. DSA Laurence Feider und ihr Team haben am 5.]uni eine Ausstellung zum Thema "Hochzeit im Wandel der Zeit" veranstaltet und im Vorfeld dieser Ausstellung wurde dieses Thema auch im Gesprächskreis "So isch's gwesn" aufgegriffen, worauf einige Teilnehmerinnen des Gesprächskreises Beiträge für die Ausstellung lieferten.

Wer Interesse an der Teilnahme am lebensgeschichtlichen Gesprächskreis "So isch's gwesn" hat, der möge sich beim Sprengel unter der Telefon-Nummer 0512 / 33 7 37 - 40 anmelden. Vom Gesprächskreisleiter werden auch Studenten zum Gesprächskreis eingeladen, sodaß der Vergleich zwischen Alt und Jung noch interessanter wird.

DAS LEBEN IN EINER
SICH VERÄNDERNDEN ZEIT –
DAMIT SETZT SICH DER
LEBENSGESCHICHTLICHE GESPÄCHSKREIS
"SO ISCH'S GWESN"
AUSEINANDER



("Wegweiser - Magazin des Sozial- und Gesundheitssprengels Innsbruck-Stadt" Juli 1998)


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Unsere Stadt - das "Gemeinwesen" neu entdecken

Freude an der Mitarbeit im Sozial- und Gesundheitssprengel Innsbruck Stadt

Von Charlotte Stöhr

Einen guten Gedanken zu entdecken, ist immer auch mit einer Überraschung verbunden: "Das habe ich noch nie gehört. Das finde ich gut! Da möchte ich mitmachen!" So dachte ich, als ich am 1. und 18. März 1998 in der Tiroler Tageszeitung auf der Seite "Für ältere Menschen" die beiden Artikel über die bereits stattfindenden und die geplanten Aktivitäten des Sozial- und Gesundheitssprengels Innsbruck Stadt las. Hier wurden Diskussionsrunden, körperliche Aktivitäten, ein gemeinsam Mittagstisch in verschiedenen Stadtteilen und ein Gesprächskreis für ältere Menschen angeboten. Ich entschied mich für den Gesprächskreis.

Wir begannen am 8. April 1998 und treffen uns seither jeden Mittwoch von l6 bis 18 Uhr in der Kaiser-Josef-Str. 5 - bei einer Tasse Kaffee mit unserem Gesprächspartner Stefan Pöhl zu thematisch gegliederten Berichten über unser Leben. Es soll der Zusammenhang zwischen der persönlichen Biographie und dem Zeitgeist deutlicher werden. Unsere Berichte wurden von Stefan Pöhl behutsam gelenkt und mit großem Interesse aufgenommen, sodaß ein herzliches, vertrauensvolles Klima unter den Teilnehmern entstand. Das war für mich eine entscheidende Erfahrung. Fremde" Menschen werden mit ihrem Schicksal zu liebenswerten Mitmenschen - so etwas gibt es!

Von diesem Erlebnis her war der Schritt zum Interesse für das "Gemeinwesen" Stadt nicht mehr schwer. Es gab viele gute Gespräche im Sprengel. Ich erhielt eine Ausgabe des Magazins "Wegweiser" in dem laufend Aktivitäten vorgestellt werden, und ich wurde dann sehr herzlich zum ersten "Ideenfrühstück", das heißt, einer Gesprächsrunde für Menschen, die an einer Mitarbeit im Sprengel interessiert sind, in die neuen Räume in der Leopoldstraße 41 eingeladen. Die Räume dort sind noch leer! Es sind helle, weite, wunderschön adaptierte Altbauräume. Ich glaube, daß wir alle gleichermaßen überrascht waren von der Vielseitigkeit der bereits realisierten und der geplanten Projekte. Frau Mag. Evelyn Lödl strahlte so viel Zuversicht und Arbeitsfreude aus, daß es uns nicht schwer fiel, in dem großen Programm unsere Aufgabe zu finden.

Da alles noch im Entstehen ist, werden Aufgaben sicher noch endgültig koordiniert und festgelegt werden. Ich habe mich zunächst einmal für den Bereich "Bibliothek" gemeldet, wenn es sich ergeben sollte, auch für Lesungen im "Ruheraum" der Leopoldstraße. Einen weiteren offenen Mittagstisch, im Programm als "Mittag Miteinander" vorgesehen, möchte ich in Igls ins Leben rufen. Es ist mein Wunsch, meine eigene Freude an neuen Gedanken und Einsichten weiterzugeben. Neue Gedanken lenken uns ab von unseren Sorgen und machen uns vielleicht bereit teilzunehmen an den Sorgen unserer Mitmenschen und den Anliegen des Gemeinwesens" Heimatstadt Innsbruck.

Zur Person: 1922 am Niederrhein in Krefeld geboren. 1 950 - 1 977Privatscbule in Krefeld, Schwerpunkt: Waldorfpädagogik. 1977 Heirat mit Prof. Dr. Richard Stöhr in Innsbruck. Seit 1991 verwitwet. Haus und Garten in Igls mit vielen Gästen und groben und kleinen Gesprächsrunden.

("Wegweiser - Magazin des Sozial- und Gesundheitssprengels Innsbruck-Stadt" Juli 1998)


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