Projekt "Beteiligung durch Erinnerung"
Progetto "Partecipare attraverso i ricordi"

Pressestimmen / Rassegna stampa


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Altern soll keine Ruhigstellung sein

Gestern wurden Initiativen im Internationalen Jahr der älteren Menschen vorgestellt

Bozen (mac) - der Herbst, der sich gestern "in seinem besten Gewande" zeigte, möge ein "gutes Omen sein für unsere Seniorenpolitik": Diesen Wunsch stellet Landesrat Otto Saurer gestern an den Beginn eines Rück- und Vorausblicks am Internationalen Tag der ältern Menschen.

Unzählige Aktionen seinen in diesem Jahr der Senioren gestartet worden, wurde mehrmals betont. Einige der interessantesten wurden gestern vorgestellt.

So etwa das Altersleitbild der Gemeinde Bruneck, das in einem Monat spruchreif wird: Sozialassessor Karl Campei betonte, wie wichtig die Mit-Einbeziehung der Senioren auf allen Ebenen sei. "Senior-Sein" dürfe keine Ruhigstellung bedeuten, "denn wir haben es heute mit einem anderen Senioren-Typus als früher zu tun", unterstrich Campei. Senioren verfügten über ein gutes Einkommen und seien relativ jung und rüstig. Beim Star des Altersleitbid-Projektes im Frühjahr hatten 350 Senioren mitdiskutiert. Unter den Wünschen waren der nach einem Seniorenrat, einem eigene Clubhaus, nach gesundheitlicher Betreuung und einer altersgerechten Stadtnutzung zu finden. Die Endfassung des Altersleitbildes wird in Kürze dem Brunecker Gemeinderat vorgelegt.

"Beteiligung durch Erinnerung" nennt sich eine weiter Initiative: Ausgehend vom Landesamt für Senioren und Sozialsprengel richtet es sich an Seniorenvereinigungen. Unter der Leitung von Stefan Pöhl werden Erinnerungen gesammelt, aufgeschrieben, szenisch dargestellt. Das Projekt läuft bis zum Sommer des Jahres 2000.

Seit vergangenem Juni ist bereits die Aktion "Notfall Senioren" im Gange: Unter der kostenlosen Nummer 800 001 800 können sich Senioren melden, die Unterstützung brauchen, etwa beim Einkaufen oder bei Reparaturarbeiten, bei Übersiedlungen oder bei Krankenpflege.

Auch die Dienststelle für Altenarbeit für KVW zeigte gestern ihre Initiativen zum Jahr der ältern Menschen auf: Am Fotowettbewerb "Licht ins Alter" hatten sich 140 Personen mit 320 Fotos beteiligt, aus denen für das Jahr 2001 ein Kalender zusammengestellt werden soll. Eine Fachtagung wird sich am 13. November mit Fragen rund ums Altersheim befassen, zu einem großen Senioren-Tanzfest wird am 26. November im den Kursaal von Meran geladen.

Dolomiten Samstag, 2. Oktober 1999


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Stefan Pöhl

Projekt "Beteiligung durch Erinnerungen"

Ältere Menschen bringen ihre lebensgeschichtliche Erinnerungen in das Gemeinwesen ein. Chronisten als Projekt-Partner.

Das Projekt "Beteiligung durch Erinnerung" geht vom Amt für Senioren und Sozialsprengel - Südtiroler Landesverwaltung aus und besteht in der fachlichen Unterstützung (Gemeinwesenarbeit) von Südtiroler Seniorengruppen beim Erarbeiten von lebensgeschichtlichen Erinnerungen und beim Einbringen dieser Erinnerungen in das lokale Gemeinwesen (Dorf, Stadtteil, Stadt). Diese fachliche Unterstützung, Begleitung und Motivation wird durch Stefan Pöhl geleistet und geschieht vor Ort bei und mit den Seniorengruppen. Chronisten sind bei diesem Projekt als Partner gefragt. Voraussetzung ist natürlich, daß sich eine Seniorengruppe im jeweiligen Ort zur Teilnahme am Projekt "Beteiligung durch Erinnerung" entschließt. In verschiedenen Phasen des Projektablaufs können sich Chronisten daran beteiligen:
  • Sobald die Seniorengruppe damit beginnt, sich mit lebensgeschichtlichen Erinnerungen zu beschäftigen, können Chronisten durch ihr Detailwissen über die lokale Zeitgeschichte der Seniorengruppe interessante Anknüpfungspunkte für Erinnerungen bieten.
  • Lebensgeschichtlich interessierte Chronisten, die auch noch der jeweiligen Seniorengruppe nahestehen, können als Moderatoren in der Seniorengruppe mitwirken. Erzählkreis, Schreibwerkstatt oder auch zeitgeschichtliche Begehungen vor Ort könne Methoden des Erinnerns sein.
  • Da Chronisten die Entwicklungen in einem Ort kennen, könnten sie bei der Suche nach jenem speziellen Thema behilflich sein, das im Ort das Thema darstellt. Wenn sich die Seniorengruppe dann mit ihren lebensgeschichtlichen Erinnerungen genau diesem Thema annimmt, ist der Wert dieser Erinnerungen für das Gemeinwesen natürlich größer.
  • Chronisten verfügen oft über ein Erfahrungswissen bei der Dokumentation und Präsentation von historisch interessanten Materialien. Diese Erfahrungen sind gefragt, wenn die Seniorengruppe ihre Erinnerungen etwa in Form einer Broschüre sammeln will oder wenn die Seniorengruppe erinnerungsträchtige Gegenstände auf einer Ausstellung veröffentlichen möchte.
  • Schließlich könnten Chronisten bei der abschließenden Präsentation der lebensgeschichtlichen Erinnerungen durch die parallele Präsentation lokaler Zeitgeschichte mitwirken. Die Präsentation lebensgeschichtlicher Erinnerungen wird den Lauf der Zeitgeschichte nämlich tendenziell lückenhaft darstellen. Chronisten können hier mit einer "lokalen Zeitleiste" helfen, lebensgeschichtliche Erinnerungen übersichtlicher in der lokalen Zeitgeschichte zu positionieren.
Der lebensgeschichtlich Ansatz deckt beim Projekt "Beteiligung durch Erinnerung" drei Bereiche ab: Durch die Methode der Kontrastierung von Erzählungen kommt es erstens zu Bildung im Sinne des biographischen Lernens, wodurch Impulse für die heute notwendige individuelle Altersgestaltung entstehen können. Zweitens besitzen ältere Menschen Erinnerungen zur lokalen Zeitgeschichte. Indem sie diese in das lokale Gemeinwesen (Dorf, Stadt, Stadtteil) einbringen, leisten sie einen Beitrag im Sinne des bürgerschaftlichen Engagements und befriedigen damit auch die stärkerwerdenden Forderung nach einem Beitrag für die Gemeinschaft von Seiten der wachsenden Zahl von abgesicherten älteren Menschen. Gleichzeitig stärkt das natürlich auch das Selbstwertempfinden der ältern Menschen und trägt zu einer Korrektur des Bildes vom inaktiven Alter bei den Ältern selbst und in der Gesellschaft bei.

Interessierte Chronistenwenden sich bitte an Stefan Pöhl, Tel. 0339/7487895 (Südtiorl; aus Österreich noch Landesvorwahl 0039), oder mit E-Mail error-file:tidyout.log

(Tiroler Chronist, Nr. 77, Dezember 1999)


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Erinnerungen für Gossensaß

Gossensaß (ge) - Der Seniorenclub Gossensaß führt in Zusammenarbeit mit den Ortschronisten das Projekt "Erinnerungen für Gossensaß" durch. Leiter sind Stefan Pöhl (Innsbruck/Brixen) und Ortschronist Günther Ennemoser. In den zwei bisherigen Sitzungen stellten die Initiatoren das Projekt vor. Die Senioren stiegen sofort ein. Sie erzählten von der damals italienischen Volksschule und der Optionszeit. In weiteren Treffen wollen sie ihre Erinnerungen an die Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg mitteilen und vom steigenden Brennerverkehr durch Gossensaß, der für das Dorf unerträglich wurde, bis zum Bau der Autobahn erzählen. So soll ein vielfältiges Bild von Gossensaß entstehen. Wenn das Projekt gelingt, will man die Erinnerungen in einer Broschüre zusammenfassen.

Dolomiten Mittwoch, 9. Februar 2000


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ST. MICHAEL / Seniorentreff: Vieles für heuer vorgenommen -

"Jung sein in St. Michael zwischen 1908 und 1935" nennt sich ein neues Projekt

St. Michael (ale) - Vor zwei Jahren wurde der Seniorentreff St. Michael offiziell gegründet. Seitdem kümmert sich diese ehrenamtliche Gemeinschaft um das Wohl der Eppaner Senioren. Auch für das Jahr 2000 haben sich der siebenköpfige Vorstand und der Aufsichtsrat einiges vorgenomen.

 "Die älteren Menschen sollen aktiv bis ins hohe Alter ein Bestandteil der Dorfgemeinschaft bilden", fasst die Leiterin des Seniorentreffs, Lore Meraner, die Schwerpunkte des heurigen Tätigkeitsjahres zusammen. Auf die "Michealer" Senioren wartet ein umfangreiches Jahresprogramm mit zahlreichen Höhepunkten. 

Die kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff Eppan erschienene Broschüre "jung und alt" gilt dabei als Richtungsweiser für die Zukunft. "Wir streben eine enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Vereinen im Dorf an. Bei gemeinsamen Projekten können Senioren aktiv mitwirken", sagt Meraner. Dass diese Initiativen bei den Senioren auf großen Anklang stoßen, bewies die heitere Vorstellung der Broschüre im Jänner, bei der mehr als 50 ältere Menschen mitgewirkt haben. 

Liebstes Kind des Seniorentreffs ist zweifelsohne das Seniorentheater, das den alten Menschen die Möglichkeit der Entfaltung gibt. "Es handelt sich dabei um improvisiertes Theater, bei der die Entwicklung des Stücks auf der eigenen Erfahrungsgrundlage basiert", sagt Lore Meraner. 

"Erzähl-Cafe" nennt sich eine weitere Veranstaltung, die Senioren zum Erzählen und Schreiben animieren möchte. Bei den monatlichen Treffen können ältere Menschen ihren großen Erfahrungsschatz mit den anderen teilen. "Ein großer Erfolg war die Nachmittagsrunde zum Thema 'Weber-Tyrol', da viele den Eppaner Maler persönlich kennen gelernt haben", sagt Lore Meraner.

 "Jung sein in St. Michael zwischen 1908 und 1935" nennt sich ein neues Projekt, das im Rahmen des Erzähl-Cafes organisiert wird. Mag. Stefan Pöhl begleitet diese Initiative, die auch von Jugendlichen mit getragen wird. In diesem Zusammenhang macht sich die Leiterin für eine Seniorenzeitung stark. Dieses Blatt wird viermal im Jahr mit Beiträgen zum Thema alte Bräuche, alte Rezepte, erlebte Geschichten usw. erscheinen. "Diese Zeitung wird von den Senioren selbst zu Themen, die sie bewegen, gestaltet", sagt Meraner. "Manege frei" heißt es schließlich am 1. März im Kultursaal von St. Michael, denn dann veranstaltet der Seniorentreff seine traditionelle Faschingsfeier. Die Senioren werden an diesem Nachmittag ein vielfältiges Programm vorgetragen bekommen.

Dolomiten Mittwoch, 16. Februar 2000


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Südtiroler Landesregierung ermutigt ältere Menschen, ihre Erlebnisse an die Jüngeren weiterzugeben

Senioren kramten in Erinnerungen

Ältere Gossensasser trafen einander regelmäßig im Rathaus, um Erlebtes zu erzählen. Junge Zuhörer konnten erahnen, mit welcher Kraft die Zeitenläufte über diese Menschen hinweggebraust waren.

GOSSENSASS (a. h.). Gerade älteren Menschen ist manche Einzelheit aus der Vergangenheit noch so gegenwärtig, als ob es gestern passiert wäre. "Am ersten Schultag habe ich geheult, weil ich nichts verstanden habe", erinnerte sich Max Gröbmer (78) an jenen denkwürdigen Tag im September 1928, als die Lehrerin, Italienisch sprechend, vor den Sechsjährigen stand - und keines der Kinder ein Wort verstand. "Aber nach zwei Wochen habe ich alles verstanden", erzählte er. Wobei er Glück gehabt habe. Die Lehrerin war seine Tante, die aber in italienischer Sprache unterrichten musste und deshalb, ihre Schützlinge besonders behutsam in die fremdsprachige Welt einzuführen wusste.

An das erste öffentliche Schwimmbad erinnerten sich die Gossensasser Senioren Franz Salzburger, Luise Aigner, Adolphine Rauchegger, Marie Heidenberger, Kurt Egartner und Max Gröbmer bestens. Denn der Pfarrer hatte den Kindern streng verboten, darin zu schwimmen. "Ausgenommen waren die Hotelierskinder", schmunzelte Gröbmer. Adolphine Rauchegger ergänzte: "Wir Mädchen gingen auch schwimmen", hatten sie und ihre Freundinnen des Dorfgeistlichen Verbot missachtet.

Marie Heidenberger war die Katakombenschule in Gossensass noch in guter Erinnerung. "Ein Fräulein aus Hall kam regelmäßig, um uns Deutschunterricht zu geben", erzählte sie. Gelehrt wurde in Bauernstuben. "Die Vorhänge waren zugezogen, jemand hat aufgepasst", beschrieb sie den illegalen Schulbetrieb im faschistischen Italien der 30-er Jahre. Heidenberger hatte eine verständnisvolle Mutter. "Sie hat dafür gesorgt, dass ich in der Lehrerbildungsanstalt Meran, untergekommen bin. 1953 habe ich maturiert", schloss sie ihren Bericht.

Franz Salzburger, geboren 1910, war Automobilpionier. 1930 begann er eine Mechanikerlehre in Gossensass. "Drei Jahre , lang habe ich höchstens ein Taschengeld bekommen", wusste er noch: Auch er wurde ein Opfer seiner Zeit. Option, deutsche Wehrmacht und abenteuerliche Flucht von der Ostfront nach Hause. Er galt als vermisst. "Ich betrat daheim die Stube, in der drei Landser . saßen. Keiner hat mich beachtet, und ich habe gesehen, wie meine Frau mit denen geflirtet hat", lachte er. Deshalb legte er seinen Arm auf ihre Schulter: " Na, wia homas denn?" Erst dann hat sie mich erkannt. Vor Schreck ließ sie unseren einjährigen Sohn fallen", beschrieb er das Wiedersehen mit der Ehegattin. Dieses war aber nur von kurzer Dauer. Als er sich bei den US-Besatzern meldete, vermeintlich, um aus dem Militärdienst entlassen zu werden, geriet er in US-Gefangenschaft und kam erst Monate später wieder heim.

Kurt Egartner war 1944 als 17-Jähriger bei der SS. Im Mai 1945 geriet er in russische Gefangenschaft, aus der er 1950 zurückkam. "Die Musikkapelle hat gespielt, als ich am 20. Mai heimkam", konnte er auch nach 50 Jahren die Tränen nicht zurückhalten.

Die Senioren trafen einander im Rahmen des Projektes "Beteiligung durch Erinnerung", das von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol 1999 gestartet wurde. Ältere Südtiroler sollen ihre Erinnerungen einbringen. Stefan Pöhl leitete die Aktion, die in der Gemeinde Brenner in Zusammenarbeit mit Anna Windisch, Leiterin des Seniorenclub Gossensass, entstand.

Tiroler Tageszeitung Dienstag, 28. März 2000


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Gesprächsrunde: "Alte Menschen und ihre Geschichte"

von Marianne Bertagnolli

Immer schon war es ein Anliegen der Dienststelle Altenarbeit im KVW, ältere Menschen mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen in unsere Tätigkeit einzubinden. Vor allem aber vor Ort wurden die MitarbeiterInnen in den Seniorentreffs motiviert, Gesprächsrunden mit älteren Menschen aufzubauen, deren Eindrücke und Erinnerungen einzufangen unter dem Motto "... damit es nicht verloren geht ...".

Doch es braucht alles seine Zeit, die Zeit zum Säen, die Zeit zum Wachsen, die Zeit zum Blühen, die Zeit zum Ernten ...

So richtig angefangen hat alles im Jahr 1993 anläßlich des "Europäischen Jahres der älteren Menschen". In einer landesweiten Aktion wurden ältere Menschen aufgerufen, "Briefe an die Jugend" zu schreiben und junge Menschen sollten sich bewußt machen, was ihnen ein älterer Mensch bedeutet und in "Briefen an Senioren" ihre Gedanken zum Ausdruck bringen. 117 Briefe älterer Menschen erreichten im Laufe des Jahres die Dienststelle Altenarbeit im und 162 Jugendliche und Kinder setzten sich mit den älteren Menschen auseinander.

Nun war es für uns klar, eine Auswahl dieser Briefe sollte in Buchform veröffentlicht werden und im Mai 1995 war es soweit. Bei der Tagung unter dem Motto "Alter -Jugend" im Kolpinghaus in Bozen wurde das Buch "Generationen im Dialog. Briefe von früher und heute" der Öffentlichkeit vorgestellt.

Heinz Blaumeiser aus Wien, Fachmann in der "biographischen Arbeit mit älteren Menschen", hatte sich bereits 1994 bei uns gemeldet und sich sehr über die durchgeführte Aktion gefreut, vor allem, daß auch in Südtirol Akzente in diesem Bereich gesetzt werden.

Zur Buchvorstellung kam er eigens aus Wien angereist und in seinen bemerkenswerten Kurzreferaten versuchte Heinz Blaumeiser - ganz in unserem Sinne - die Anwesenden zu motivieren, "aus Lebensgeschichten zu lernen".

Diesen Gedanken galt es nun voranzutragen und in die Bildungsarbeit der Dienststelle Altenarbeit im KVW gezielt einzubringen. Bereits iM Herbst 1995 konnten wir 2 Seminare in Sarns und Meran mit Heinz Blaumeiser und Elisabeth Wappelshammer unter dem Thema "Alte Menschen und ihre Geschichte" anbieten, bei welchen 46 Personen begeistert dabei waren.

Wer mit alten Menschen im Pflegebereich zu tun hat, sollte seine Lebensgeschichte, sein Schicksal kennen, um ihn besser zu verstehen und mehr Verständnis für sein Verhalten aufzubringen. Ein Gedanke, den damals gar einige AltenpflegerInnen in ihren Arbeitsbereich mitnahmen. Der Grundstein war gelegt, es ist uns gelungen, über die Briefaktion, über die vielen Seniorentreffs und Altendienste im Lande, über die Medien, über die guten Kontakte zum Südtiroler Landesarchiv, über viele Gespräche mit Interessierten, in diesem Bereich etwas in Bewegung zu setzen.

Im November 1996 waren es wiederum 14 Personen, die ihr Wissen in der 1ebensgeschichtlichen Arbeit mit älteren Menschen" bei einem Aufbauseminar vertieften und weitere 17 Personen holten sich im Februar 1997 Grundkenntnisse in einem 2-tägigen Seminar in Bozen. Inzwischen hat sich einiges vor Ort getan, es haben sich Gesprächsrunden gebildet, Erzählungen und Erinnerungen älterer Menschen werden gesammelt und veröffentlicht. Man ist hellhöriger und sensibler diesem Thema gegenüber.

In Schlanders trifft sich seit November 1999 eine Gruppe von 15 Vinschger Frauen zu 14-tägigen Gesprächsrunden unter der Leitung von Lena Adami und Guido Moser. Manche sind dabei, ihr eigenes und persönliches "Lebensbuch" zu schreiben.

Das Landesamt für Senioren und Sozialsprengel hat zum "Internationalen Jahr der älteren Menschen 1999" das Projekt "Beteiligung durch Erinnerung" von Mag. Stefan Pöhl gefördert, in welchem "ältere Menschen ihre Erinnerungen in das Gemeinwesen einbringen" sollten.

Unter dem Thema "Erinnerung und Engagement" haben wir im April d.J. in Sams ein 2-tägiges Seminar angeboten, das von 10 engagierten TeilnehmerInnen genutzt worden ist und wiederum unter den bewährten Fittichen von Heinz Blaumeiser und Elisabeth Wappelshammer stand. Mag. Stefan Pöhl hat auch daran teilgenommen. Lesen Sie dazu seine Eindrücke und Ausblicke aufgrund dieses Seminars.

 

Erinnerung und Engagement

Schon bisher hat die Dienststelle für Altenarbeit im KVW die Beschäftigung mit Lebensgeschichten in den Seniorengruppen mit einer Reihe von Seminaren gefördert. Bei diesem Seminar wurde nun erstmals der Wert der Lebensgeschichten von älteren Menschen für den ganzen Ort hervorgehoben.

"Erinnerung und Engagement -Lebensgeschichten älterer Menschen als Impuls für neue Aktivitäten am Ort", unter diesem Titel fand am 14. und 15. April 2000 im KVW-Bildungshaus St. Georg Sarns ein Seminar mit 9 TeilnehmerInnen, den Referenten Heinz Blaumeiser und Elisabeth Wappelshammer und dem Projektbegleiter Stefan Pöhl statt.

Die TeilnehmerInnen am Seminar sind LeiterInnen von Seniorengruppen oder Freizeitgestalterin im Altenheim. Einige haben auch schon einen Generationendialog veranstaltet oder lebensgeschichtliche Erzählungen auf Tonband aufgezeichnet, oder sie geben eine Seniorenzeitung heraus und veröffentlichen darin Erinnerungen von Senioren. Zwei Teilnehmerinnen führen gerade lebensgeschichtliche Projekte durch. Das Seminar bot die Gelegenheit, die Fragen, die sich bei diesen Aktivitäten ergeben, zu formulieren und Antworten darauf zu bekommen.

Konkrete Erinnerungen decken unbeachtete aktuelle Themen auf

Wenn Senioren aus ihrem Leben erzählen, ist es wichtig, daß sie zuerst einmal nur davon erzählen, was sie selbst erlebt haben und nicht so sehr davon, was sie vom "Hören-Sagen" wissen oder wie ihre Meinung ist. Solche Erinnerungen werden als "lebensgeschichtliche Erinnerungen" bezeichnet. Wenn sich eine Gruppe von Senioren ihren lebensgeschichtlichen Erinnerungen widmet, können dadurch Themen sichtbar werden, die für die Menschen im Ort zwar wichtig sind, die aber bisher wenig thematisiert sind.

Unterschiedliche Vorstellungen von Engagement im Ort

Von den ReferentInnen wurde u.a. der Begriff "Modernisierung" vorgestellt. Dieser Begriff beschreibt, wie etwa soziale Strukturen immer differenzierter und die Menschen zunehmend individualisiert werden. Was Modernisierung bedeutet, wurde auch klar, wie im Anschluß an eine von den TeilnehmerInnen durchgeführte Ortsbegehung in Sarns mögliche Anliegen für diesen Ort formuliert wurden. Dabei wurden von den TeilneherInnen auch ihr Selbstverständnis von Beteiligung und Engagement in einem Ort formuliert, und die Unterschiede in diesem Selbstverständnis zwischen den jüngeren und einigen älteren TeilnehmerInnen führten zu heftigen Diskussionen.

Generationendialog durch Erzählen

Bei den Aktivitäten im Ort sollten allerdings nicht die Diskussion von Meinungen, sondern der Austausch von konkreten Erfahrungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Hätte die Ortsbegehung nicht in Sarns stattgefunden, sondern in den Orten, in denen die SeminarteilnehmerInnen zu Hause sind, und wären dann auch noch einige Senioren aus dem Ort dabei gewesen, dann hätten diese den Jüngeren und den Zugezogenen sehr viel erzählen können über die Ereignisse in der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Wenn dann auch die Jüngeren erzählen, wie sie den Ort erleben, dann kann daraus ein gegenseitiges Verständnis erwachsen.

Vorhaben: Gesprächskreis, Seniorenbeirat

Am Ende des Seminars formulierten die TeilnehmerInnen konkrete Vorhaben in Bezug auf das Erarbeiten und Präsentieren von lebensgeschichtlichen Erinnerungen und von aktuellen Themen im Ort: Gesprächskreis, Aufschreiben von Erinnerungen, Darstellen in einem Senioren-Theaterstück, Ausstellung und Videofilm. Auch das Gründen eines Seniorenbeirates in der Gemeinde wurde in Erwägung gezogen. Welche SeniorInnen am Erinnerungsprojekt beteiligt werden sollten und welchen Personengruppen im Ort die Erinnerungen präsentiert werden können, wurde überlegt. Neue Themen für die Arbeit mit Erinnerungen wurden formuliert (Bsp.: Schule, Heirat, Tod), schon existente Vorstellungen zu Themen wurden weiterentwickelt. Bei den schon laufenden Erinnerungsprojekten wurden Überlegung angestellt bezüglich Ausweitung, bezüglich der möglichen Delegierung an ehrenamtliche MitarbeiterInnen und dem Planen eines Abschlusses des Projekts.

Einige TeilnehmerInnen wünschen sich bei ihren am Seminar konkretiserten Vorhaben eine fachliche Unterstützung durch Projektbegleiter Stefan Pöhl. Dieser wird diese Unterstützungswünsche als Projektvorhaben an das Amt für Senioren und Sozialsprengel herantragen.

Mag. Stefan Pöhl

(Kompass, Juni 2000)


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Generationendialog in Gossensaß

Gossensaß (ge) - Seit Jänner 2000 finden in Gossensaß im Rahmen des Projektes "Erinnerungen für Senioren" Gesprächsrunden mit Senioren statt, wobei geschichtliche Ereignisse im Marktflecken an der Brennerstraße aufgezeichnet werden. In den bisherigen sieben Gesprächsrunden wurden Ereignisse aus der Zeit der Option, des Krieges 1939-1945, des wirtschaftlichen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg, der Bombenjahre und des wachsenden Durchzugsverkehrs in Gossensaß erörtert. Eine Klasse der Grundschule verglich in einem Gespräch mit den Senioren (im Bild) die frühere Situation im Dorfe mit der heutigen. Im Herbst soll das Projekt mit einem weiteren Gespräch Mittelschüler-Senioren seinen Abschluss finden. Diese Initiative des Seniorenclubs Gossensaß fand allgemeine Zustimmung.

Dolomiten Dienstag, 20. Juni 2000


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"Beteiligung durch Erinnerung": "Generationendialog" mit dem Seniorenclub Urania Meran

Das Landesamt für Senioren und Sozialsprengel hat zum Anlaß des "Internationalen Jahres der Senioren 1999" im Rahmen des Projekts "Beteiligung durch Erinnerung" den Seniorengruppen fachliche Unterstützung bei der Arbeit mit lebensgeschichtlichen Erinnerungen und beim Einbringen dieser Erinnerungen in das Gemeinwesen angeboten. Der Seniorenclub Urania Meran unter der Leitung von Dr. Marlene Messner ist eine der Seniorengruppen, die dieses Angebot aufgegriffen haben. Unter dem Projekttitel "Erinnerungen für Meran" habe sich seit Jänner 2000 eine Gruppe von Senior in sieben Treffen ihre eigenen Erinnerungen aus den Lebensphasen Kindheit und Jugend erzählt.

Ihre lebensgeschichtlichen Erinnerungen sind nun jener Beitrag, den gerade ältere Menschen an das Gemeinwesen leisten können. Deshalb haben sich die Senioren Anfang Juni mit einer zweiten Klasse der Mittelschule Obermais zu einem "Generationendialog" getroffen. Das Treffen fand in der Urania Meran statt und dauerte zweieinhalb Stunden. Aufgeteilt in zwei Gruppen saßen zwanzig Schüler und fünf Senioren im Kreis und tauschten Erinnerungen und Erfahrungen zu den Themen Freizeit, Schule, Familie und zu zeitgeschichtlichen Themen wie Faschismus, Nationalsozialismus und Option aus. Da die Schüler/innen vorher in der Klasse von Prof. Bettina Mitterhofer auf die in den Lebensgeschichten der Senioren vorkommenden Ereignisse aufmerksam gemacht wurden, konnten sie beim Generationendialog genaue Fragen an die Senioren stellen, die diese wiederum mit genauen Erzählungen beantworteten; die Komplexität und Vielschichtigkeit der damaligen politischen Situation konnte dadurch zum Ausdruck kommen. Andererseits waren es etwa die "unförmigen" und 200.000 Lire teuren Turnschuhe sowie das etwas "undisziplinierte" Verhalten eines Schülers, das zum Anlaß genommen wurde, Erziehung im Elternhaus, finanzielle Situation, Freizeitverhalten und Umgang von Lehrern und Schülern in den Erfahrungen der anwesenden beiden Generationen detailgenau zu vergleichen. Lerneffekte bei allen Beteiligten sind dabei sicher, ein wertvoller Gewinn für die Gemeinschaft ebenso.

Der Seniorenclub Urania Meran wird das Projekt "Erinnerungen für Meran" nach der Sommerpause weiterführen, und bis Jahresende ist mit einer Abnabelung von der fachlichen Unterstützung durch das Amt für Senioren und Sozialsprengel zu rechnen. 

Südtirol Online 4. Juli 2000


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Ein Treffen der Generationen

Seniorenclub der Urania Meran traf sich mit Mittelschülern - Erfahrungsaustausch

Meran - Ein Treffen der Generationen fand kürzlich zwischen zwanzig Schülern der Mittelschule Obermais und fünf Senioren des Seniorenclubs der Urania statt. Die Aktion fand im Rahmen des "Internationalen Jahres der Senioren 1999" statt.

 Das Landesamt für Senioren und Sozialsprengel hatte im Rahmen des Projekts "Beteiligung durch Erinnerung" fachliche Unterstützung bei der Arbeit mit lebensgeschichtlichen Erinnerungen angeboten. Der Seniorenclub Urania Meran unter der Leitung von Marlene Messner nahm dieses Angebot an und organisiert seit Jänner Treffen unter dem Motto "Erinnerungen für Meran". Die Senioren hatten Gelegenheit, ihre eigenen Erinnerungen aus den Lebensphasen Kindheit und Jugend zu erzählen.

 Anfang Juni trafen sich die Senioren mit den Schülern einer zweiten Klasse der Mittelschule Obermais zu einem "Generationendialog". Zwanzig Schüler und fünf Senioren tauschten Erinnerungen und Erfahrungen zu den Themen Freizeit, Schule, Familie und zu zeitgeschichtlichen Themen wie Faschismus, Nationalsozialismus und Option aus. Die Professorin Bettina Mitterhofer hatte die Schüler auf das Treffen vorbereitet, so dass die Schüler den Senioren ganz gezielte Fragen stellen konnten. Der Seniorenclub der Urania Meran plant, das Projekt nach der Sommerpause weiter zu führen.

Dolomiten Freitag, 7. Juli 2000


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Vor 55 Jahren brannte das Grandhotel Gröbner

[von Dr. Günther Ennemoser]

In den ersten Maitagen 1945 besetzten US-Truppen, aus Innsbruck kommend, den Brenner und Gossensaß. Sie beschlagnahmten das Grandhotel in Gossensaß und machten es zu ihrem Hauptquartier. Der in drei Bauphasen errichtete Hotelkomplex galt mit dem 1910/1911 erbauten Palasthotel als die Nobelherberge im Gossensaß der Jahrhundertwende. Die amerikanischen Soldaten machten es sich in diesem Luxusbau bequem und deponierten dort auch ihre Waffen und Munition.

In den ersten Vormittagsstunden des 8. Mai hörten die Bewohner des Marktfleckens einen heftigen Knall, viele liefen zum Ortszentrum und sahen mit Schrecken Flammen, die bereits bis zum Dachboden des Hotels züngelten. In Windeseile verbreitete sich die Feuersbrunst, das ganze Gebäude brannte in kürzester Zeit lichterloh, immer wieder hörte man Explosionen. Die Löschmöglichkeiten waren gering, viele Männer der Freiwilligen Feuerwehr befanden sich noch im Krieg oder in Gefangenschaft. Die herbeigeeilten Frauen und älteren Männer konnten mit den vorhandenen Löschgeräten wenig ausrichten. Das Unterfangen erwies sich als aussichtslos. Der Brand wütete in den Mauern und erzeugte eine Hitze, dass an den umliegenden Gebäuden die Fensterrahmen schmolzen. Die angeforderte Militärfeuerwehr der US-Armee eilte aus Verona herbei, es gelang ihr bald, der Flammen Herr zu werden. Nach ihrem Abzug entstanden immer wieder an allen Ecken des niedergebrannten Hotels neue Brandherde, die jedoch gleich eingedämmt und gelöscht werden konnten. Die Brandruinen standen noch lange Zeit, bis in die Mitte der 50er Jahre, als gespensterhafte Mauerhöhlen im Zentrum von Gossensaß.

Über die Ursachen des Brandes gab es verschiedene Vermutungen, eine davon glaubte in den abziehenden und flüchtenden deutschen Soldaten die Brandstifter zu sehen. Doch dieser Version wird wenig Glauben geschenkt. Vielmehr dürfte der explosionsartige Brand durch ungeschicktes Hantieren einiger US-Soldaten mit Spirituskochern in unmittelbarer Nähe von gelagerter Munition entfacht worden sein. Wieviel Tote und Verletzte es bei diesem Unglück gegeben hat, konnte man nie in Erfahrung bringen. Noch lebende Augenzeugen berichten, dass die Verletzten sofort in den Gasthof Nussbaumer gebracht worden sind, wo sie in der Küche, die als notdürftiger Operationsraum hergerichtet worden war, erste Hilfe erhielten. Die Verwundeten wurden anschließend sofort in ein Militärspital eingeliefert. Über die Anzahl der Toten, ob viele oder wenige, ist man sich heute noch im Unklaren. In US-Militärarchiven könnte die Antwort zu finden sein.

An der Stelle des Grandhotel steht heute der Rathauskomplex mit dem großen Parkplatz im Dorfzentrum. Wo sich die regengeschützten Wandelhallen für die Gäste befanden, liegt das Pfarrheim und der Musikpavillon mit den Parkanlagen.

(Erker, Juni 2000)


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"Erinnerungen für Gossensaß"

Initiative des Seniorenclubs


Im Jänner 2000 startete in Gossensaß auf Betreiben des örtlichen Seniorenclubs mit Obfrau Anna Windisch ein Projekt unter dem Motto "Erinnerungen für Gossensaß".

In acht Treffen erzählten Seniorinnen und Senioren über ihre Erlebnisse. Unter der technischen und heimatkundlichen Leitung von Magister Stefan Pöhl aus Innsbruck und Ortschronist Dr. Günther Ennemoser schilderten vier Frauen und vier Männer die Ereignisse in Gossensaß von der Zwischenkriegszeit bis in die heutigen Tage. Sie erzählten von der Option, von den Kriegsjahren 1939 - 1945, vom wirtschaftlichen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg, von den Sesselliftbauten in Zirog, Hühnerspiel und Ladurns, von den Bombenjahren in Südtirol, vom wachsenden Durchzugsverkehr, von laufenden Gemeindegeschehnissen und endeten mit Ereignissen der letzten Jahre.

Die Gespräche wurden auf Tonband aufgenommen. Eine Grundschulklasse kam mit ihrer Lehrerin zu einem Generationendialog in die Seniorenstube im Rathaus. Die interessanten Vergleiche im Gespräch der Senioren mit den Schülern über frühere und heutige Situationen in der Dorfgemeinschaft Gossensaß waren anregend und lehrreich. Das Fernsehteam eines Innsbrucker Privatsenders nahm ein Treffen dieses Projektes "Erinnerungen für Gossensaß" auf. Der Seniorenclub wird sich bemühen, Sponsoren zu finden, um die auf Tonband aufgezeichneten Projektergebnisse in einer kleinen Broschüre zu veröffentlichen.

rr [= Dr. Günther Ennemoser]

(Erker, Juli 2000)


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Stefan Pöhl

Erinnerungen für Gossensass: Vom Fremdenverkehr zum Verkehr - ein Projektbericht

Im "Tiroler Chronist" vom Dezember 1999 (Nr. 77, Seite 6f.) wurde das Projekt "Beteiligung durch Erinnerung" vorgestellt, von dem nun ein erster Bericht vorliegt. Von Jänner bis Juni 2000 trafen sich Senioren aus Gossensass mit dem Ortschronisten Dr. Günther Ennemoser zu einem Gesprächskreis, um aus eigener ("lebensgeschichtlicher") Erinnerung einige Ereignisse der lokalen Zeitgeschichte zu rekonstruieren. Die Ergebnisse werden in einer Publikation zusammengefasst.

Das "Amt für Senioren und Sozialsprengel" der Südtiroler Landesregierung bot den Seniorenclubs in Südtirol im Herbst 1999 anlässlich des "Internationalen Jahres der älteren Menschen" fachliche Unterstützung in der Person von Mag. Stefan Pöhl beim "Erarbeiten von lebensgeschichtlichen Erinnerungen von älteren Menschen und dem Einbringen dieser Erinnerungen in das Gemeinwesen" an. Der Seniorenclub Gossensass griff dieses Angebot auf, als Titel der lokalen Projektumsetzung wurde "Erinnerungen für Gossensass" gewählt. Fr. Windisch Anna und Fr. Tschenett Helma vom Seniorenclub gelang es, den Ortschronisten Dr. Günther Ennemoser für eine Mitarbeit zu gewinnen. Dieser gab dem Projektvorhaben mit seinem Anliegen, die Dokumentation zu einigen wichtigen Ereignissen der lokalen Zeitgeschichte auszubauen, die inhaltliche Ausrichtung.

Das Thema, die TeilneherInnen

Das Projekt "Erinnerungen für Gossensass" bekam den Untertitel "Vom Fremdenverkehr zum Verkehr". Vor dem Ersten Weltkrieg erlebte Gossensass einen steilen Aufstieg als Kurort mit internationalem Publikum, diese Zeit lässt sich allerdings nicht mehr aus lebensgeschichtlichen Erinnerungen von GossensasserInnen rekonstruieren. Die heutigen ältern GossensasserInnen erinnern sich noch
  • an den Tourismus mit italienischen Gästen zwischen dem Erstem und Zweitem Weltkrieg,
  • an den Neubeginn des Tourismus nach dem Zweiten Weltkrieg und den Übergang in den Massentourismus,
  • an den rasch wachsenden Durchzugsverkehr in den sechziger Jahren und den dadurch bedingten Rückgang des Fremdenverkehrs
  • und natürlich an Faschismus, Option, Zweiten Weltkrieg mit Besetzung durch Wehrmacht und amerikanischen Truppen.
Für die Teilnahme an den Gesprächskreistreffen wurden gezielt einzelne ältere GossensasserInnen gewonnen, die zu diesen Ereignissen aus eigener Erinnerung berichten konnten.

Der Ablauf, die Unterthemen

Von Jänner 2000 bis Mai 2000 fanden im Seniorenraum im Gemeindehaus von Gossensass sieben Treffen statt, sechs Gesprächskreistreffen und ein Generationendialog mit einer Volksschulklasse, an denen durchschnittlich sechs ältere GossensasserInnen teil nahmen. Die ersten drei Gesprächskreistreffen hatten die Lebensgeschichte der TeilnehmerInnen zum Thema, die zeitgeschichtlichen Ereignisse Faschismus, Option und Katakombenschule kamen darin als Unterthemen zur Sprache. Jeder Teilnehmer hatte so die Möglichkeit zumindest einmal ausgiebig erzählend zu Wort zu kommen. Die letzten drei Gesprächskreistreffen bewegten sich thematisch nicht mehr entlang der Lebensgeschichten, sondern waren auf lokal-zeitgeschichtliche Ereignisse zentriert, zu denen jene TeilnehmerInnen erzählten, die persönlich dabei waren. Die Themen waren:
  • Die Zeitspanne vom Einmarsch der deutschen Truppen 1943 bis zum Einmarsch der amerikanischen Truppen 1945,
  • der Brand des Grandhotel Gröbner 1945 und der Vorkriegstourismus am Beispiel des Grandhotel Gröbner,
  • der Nachkriegstourismus und der Bau und Betrieb des Sessellift Zirog 1948,
  • der Bau und der Betrieb des Hühnerspiel-Sesselifts und die totale Verkehrsüberlastung auf der Brennerstraße am Ende der sechziger Jahre.

Moderation, lebensgeschichtliche Gesprächsführung

Moderiert wurden die Treffen gemeinsam vom Ortschronisten Dr. Günther Ennemoser und von Mag. Stefan Pöhl aus Innsbruck. Diese Zusammensetzung des Moderatorenteams aus einem Ortschronisten und einem Außenstehenden erwies sich als vorteilhaft. Der Ortschronist kann die Erzählungen der TeilnehmerInnen ständig in den Kontext der Ortsgeschichte stellen, da er die allgemeine Geschichte des Ortes schon kennt, richten sich sein Fragen immer wieder auf ganz bestimmte Details. Dies fordert die TeilnehmerInnen heraus und verhindert ein oberflächliches Dahin-Erzählen. Der von außen kommende Co-Moderator muss, um die Erzählungen zu verstehen, ständig nach Zusammenhängen fragen, die den (einheimischen) Erzählern selbstverständlich und gegeben erscheinen, und er macht damit diese Selbstverständlichkeiten ein wenig wieder hinterfragbar. Die Methode der lebensgeschichtlichen Gesprächsführung (nach Heinz Blaumeiser und Elisabeth Wappelshammer) sieht denn auch vor, dass zuerst einmal Diskussionen vermieden und die ErzählerInnen von den Moderatoren in der Erinnerung an ganz konkreten Ereignisse geführt werden. Dann passiert es, dass die ErzählerInnen ihre Erinnerungen immer mehr in der Form von Geschichten präsentieren. Wenn schließlich immer mehr konkrete Erzählungen sozusagen auf dem Tisch liegen, kann von den Moderatoren der Vergleich zwischen dem konkret Erlebten angeregt werden, etwa zwischen früher und heute oder den Kategorien Geschlecht, Generation und Milieu. Meist stellen die TeilnehmerInnen aber selber fest "Was sich alles geändert hat!" und es reicht aus, wenn die Moderatoren diese Feststellungen etwas differenzieren. Unterstützt wird dieses Erzähl-Setting durch das Führen einer Gruppen-Zeitleiste, die graphisch darstellt, wie die TeilneherInnen zueinander generational und in Bezug auf die zu erforschenden lokal-zeitgeschichtlichen Ereignisse "gelagert" sind.

Positive und negative Erfahrungen

Das Angebot, mit der eigenen Lebensgeschichte an der Rekonstruktion der lokalen Zeitgeschichte beizutragen, hat sich für einige älter GossensasserInnen als interessant genug erwiesen, um im Jänner 2000 zu einem ersten Treffen zu kommen. Ein angenehmer Einstieg in das Erzählen aus dem eigenen Leben und die Erfahrung, mit den eigenen alltäglichen Erfahrungen von früher zuerst vor den Moderatoren, dann vor den übrigen GesprächskreisteilnehmerInnen und schließlich im Generationendialog mit einer Schulklasse gefragt zu sein, bewirkte das Konstantbleiben der Teilnehmeranzahl bei den weiteren Treffen. Mehrmals kamen auch Gäste (Personen mit Interesse an lebensgeschichtlicher Arbeit) zum Gesprächskreis und einmal sogar ein Fernsehteam, was natürlich eine zusätzlich Aufwertung der Veranstaltung bedeutete. Allerdings half das alles nichts, denn das letzte geplante Treffen im Juni, an dem wieder ein Generationendialog mit einer Mittelschulklasse vorbereitet war, musste abgesagt werden, zu viele der TeilnehmerInnen hatten anderweitige Termine (Urlaub, Begräbnis usw.). Dieser Generationendialog wird nun im Oktober nachgeholt, ein weiterer Generationendialog mit einer Oberschulklasse ist geplant.

Die Ergebnisse: Bildung, Beteiligung, Forschung

Damit wird "Erinnerungen für Gossensass: Vom Fremdenverkehr zum Verkehr" dann abgeschlossen sein, denn die sechziger Jahre sind in den lebensgeschichtlichen Erzählungen erreicht und Dr. Günther Ennemoser hält sich an den Ausspruch eines Geschichteprofessors aus seiner Studienzeit: "Lasse mindestens 30 Jahre bis zur Behandlung einer Angelegenheit vergehen." Alle Treffen wurden auf Tonband aufgezeichnet, und Dr. Günther Ennemoser wird nun von diesen Aufnahmen ausgehend mit der Ausarbeitung einer Publikation beginnen, der Seniorenclub wird sich auf Sponsorensuche für diese Publikation begeben. Die Ergebnisse diese Projekts, das die Lebensgeschichten von GossensasserInnen als Gegenstand hat, lassen sich den Bereichen Bildung, Beteiligung und Forschung zuordnen:
  • Bildung, als "biographisches Lernen" bzw. als Weiterentwicklung von persönlicher Identität aus den Reflexionen, die durch die Erzählungen der anderen älteren und jüngeren TeilnehmerInnen ausgelöst wurden.
  • Beteiligung von alten und jungen GossensasserInnen im Sinne der Anteilnahme an den Belangen des Orts und der Weitergabe der eigenen Erfahrungen.
  • Forschung, als Datenerhebung zur Weiterentwicklung der lokalen Zeitgeschichte.

An Erfahrungsaustausch sind interessiert:
  • Dr. Günther Ennemoser (0039 0472 6324331, ennemo@dnet.it) und
  • Mag. Stefan Pöhl (0039 (0)339 7487895)
Eine kleine Dokumentation des Projekts ist unter http://homepage.uibk.ac.at/~c60399/projekt/indexbde.html eingerichtet.

(Tiroler Chronist, Nr. 80, Oktober 2000)


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Un percorso di ricordi

Prosegue con successo il progetto "Luoghi di vita"
Presto saranno coinvolte anche le scuole cittadine


Ci sono momenti che non si dimenticano più. A questo hanno pensato i volontari dell'Anta Agas, quando hanno dato vita al progetto "Luoghi di vita - anno 2000".

Sette gli incontri finora organizzati, ai quali presto se ne aggiungeranno di nuovi. "A questa prima serie di appuntamenti ha partecipato un gruppo di soci -spiega la presidente Dolores Corradini, che è anche organizzatrice del progetto - diversi i temi trattati nel corso degli incontri. Si è parlato di giochi dell'infanzia, degli anni della scuola, del primo lavoro, dei gruppi giovanili e di come si trascorreva il tempo libero, della moda degli anni passati, del primo amore, del matrimonio, ma soprattutto sono stati ricordati i luoghi della vita". Attraverso i ricordi e i racconti sono state ricostruite le storie di vita di ognuno. "Il raccontare i vari avvenimenti del passato - aggiunge Corradini - ha fatto emergere la coscienza del cambiamento in tutti i settori della vita. Il gruppo stesso si stupisce dei cambiamenti emersi dal confronto dei racconti dei vari partecipanti".

Dopo questa prima fase, il progetto ora proseguirà sul luoghi di vita. "Già da ora si evidenziano temi come la guerra - aggiunge la presidente dell'Antea Agas - lo sfollamento, e una città in continua crescita che offrono spazi e opportunità di nuovi approfondimenti, alla luce dei ricordi. Abbiamo ora intenzione di visitare, insieme ad ospiti e con i ragazzi delle scuole cittadine questi luoghi. L'idea è quella di visitare insieme i luoghi e confrontare direttamente sul posto le esperienze dell'anziano e del giovane".

"Oltre à ciò - prosegue Dolores Corradini - è in programma un video su, tutto il progetto e la realizzazione di un opuscolo da parte dei partecipanti, nel quale saranno raccolti una serie di scritti e testimonianze".

Gli incontri sono stati moderati dall'insegnate Renata Bianchi, mente l'ufficio anziani e distretti sociali della Provincia sostiene il progetto.

I.A.

(Il Mattino, 18 novembre 2000)


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"Erinnerungen für Gossensaß"

Theaterstück begeistert bei Seniorenfest 2000

Der Seniorenclub im KVW-Gossensaß griff in diesem Jahr das Projekt "Beteiligung durch Erinnerungen" des Landesamtes für Senioren und Sozialsprengel auf und sammelte mit Unterstützung von Mag. Stefan Pöhl aus Innsbruck und Ortschronist Dr. Günther Ennemoser "Erinnerungen für Gossensaß".

Obfrau Anna Windisch und Helma Tschenett von der Seniorenführung begleiteten das Vorhaben mit Rat und Tat. Von Jänner bis Mai 2000 fanden im Seniorenraum des Rathauses sieben Treffen des Gesprächskreises statt, unter anderem auch Dialoge zwischen den Generationen, wobei jener mit der 2. Mittelschulklasse im RAI-Sender Bozen zu sehen war.

Die Themen der Gesprächskreise wurden auch von der Theaterpädagogin Maria Neuwirth in einem kleinen Theaterstück festgehalten. Am 19. November fand anlässlich des Seniorenfestes 2000 im großen Rathaussaal die Aufführung statt.

Das Seniorenfest leitete die Hausmusik "Hofleitn" aus Gossensaß mit volkstümlichen Weisen ein, Obfrau Anna Windisch sowie Bürgermeister Christian Egartner begrüßten die Senioren.

Dann wurde es dunkel im Saal und die "Schauspieler" Gretl Volgger, Martha Plattner, Kurt Egartner, Richard Amort und Bruno Vigl führten in einem 45 Minuten dauernden Sketch "Erinnerungen von Gossensassern" auf: Der Sandler Kurt, der in der Nähe der Ortsdurchfahrt: auf einer Bank übernachtete, wurde am Morgen vom Straßenkehrer Franz und einer Dorffrau unsanft geweckt. Bald entspannt sich unter den Leutchen ein reges Gespräch über frohere Zeiten im Marktflecken, neugierig von einer Hausfrau aus dem Stubenfenster beobachtet, die sich ab und zu ins Gespräch einmischt. Der Almer Bruno Vigl begleitet die gesungenen Lieder mit der Ziehharmonika. Erinnerungen aus der Zwischenkriegszeit der Faschi- und Nazizeit und den amerikanischen Einmarsch in Gossensaß wurden wach. Begeistert folgten die Zuschauer der Aufführung und dankten am Ende mit viel Beifall.

Anschließend wurde allen eine Jause geboten, den Mitwirkenden am Projekt überreichte Anna Windisch ein kleines Geschenk und Pfarrer Georg Martin und Ernst Kofler unterhielten die Gesellschaft mit Gitarren- und Harmonikaklängen. Die Obfrau taufte dieses neue Duo, das öfters in Gossensaß zu solchen Anlässen aufspielt, mit dem Namen "Ernst & Heiter".

rr [= Dr. Günther Ennemoser]

(Erker, Dezember 2000)


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ST. MICHAEL / Seniorentreff

"Erzählcafe" und Ausflüge

Jahresprogramm vorgestellt - Seniorenzeitung

St. Michael/Eppan (ale) - Für das Jahr 2001 hat sich der Seniorentreff St. Michael wieder einiges vorgenommen. Die Leiterin Lore Meraner und ihre Mitarbeiterin Berta Carli stellten das Jahresprogramm vor.

 Seit nunmehr drei Jahren gibt es den Seniorentreff. "Unser Treff erfeut sich größter Beliebtheit und deshalb möchten wir unsere Angebotspalette erweitern", sagt Lore Meraner. Die Leiterin möchte deshalb eine hauptamtliche Mitarbeiterin anstellen, die eine umfassendere Betreuung garantieren würde. "Die älteren Menschen sollen aktiv bis ins hohe Alter ein Bestandteil der Dorfgemeinschaft sein", fasst Meraner die Schwerpunkte des Tätigkeitsjahres zusammen. Auf die "Michealer" Senioren wartet ein umfangreiches Jahresprogramm mit zahlreichen Höhepunkten: So wurde gestern die mit Spannung erwartete Seniorenzeitung vorgestellt. Dieses Blatt wird viermal im Jahr erscheinen. Weiters bietet der Seniorentreff zahlreiche Vortragsreihen und Ausflüge an. 

Für die körperliche Fitness sorgen Turn-, Schwimm- und Tanzstunden. In Zusammenarbeit mit der Mittelpunktsbibliothek St. Michael werden auch heuer wieder die Bibliotheksrunden und das "Erzählcafe" stattfinden.

Dolomiten Samstag, 13. Jänner 2001


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Nie stehen bleiben und nichts mehr tun

Anni Wagner zuzuhören, ist wie in einem Geschichtsbuch zu blättern.

"Mein Führer, vergessen Sie Südtirol nicht!" Die junge Frau, deren Hand Adolf Hitler soeben drückt, erschrickt unter dem scharfen Blick. Anni Wagner war damals 24 Jahre alt und seit einigen Monaten in Berlin. Wie die Meranerin persönlich von Adolf Hitler empfangen wurde, ist eine lange Geschichte, in der sich Leid, Täuschung und Verzweiflung widerspiegeln.

Geboren 1915 in Untermais (der Vater führte eine eigene Metzgerei), erlebt Anni am eigenen Leib, was es heißt, von heute auf morgen nicht mehr im eigenen Land, in der eigenen Sprache und in den alltäglichen Gewohnheiten zu Hause zu sein. Die Volksschule darf sie noch in Deutsch besuchen, ab der "scuola complementare" wird aber nur mehr Italienisch gesprochen.

Anni hat Glück, kommt in die Privatschule der Englischen Fräulein am Sandplatz und lernt Französisch und Deutsch, allerdings als Fremdsprache. Anders ihre sieben Brüder, die nie mehr richtig Deutsch lernen. "Wer kann sich heute noch vorstellen, was es heißt, keinen Brief, einfach nichts in der eigenen Srache schreiben zu können?" gibt Anni ihren damaligen Gefühlen Ausdruck.

Mit 16 Jahren beendet sie ihre schulische Karriere, ohne Diplom, weil ein Professor aus Mailand sie bei der Abschlussprüfung durchfallen lässt. Anni wechselt nach Bozen an die "scuola alberghiera", lernt noch Englisch dazu und bereitet sich auf einen Beruf im Gastgewerbe vor. In Riccione, wo sie einige Sommermonate in einem Hotel als Sekretärin arbeitet, schließt sie Freundschaft mit Italienern, damals wurde mir klar, dass es auch nette Italiener gibt", erinnert sich Anni.

Nicht immer war die Arbeit im Gastgewerbe ein Honigschlecken. "Das Personal wurde miserabel behandelt, zum Essen gab es zum Beispiel das Brot, das die Gäste übriggelassen hatten und Überstunden wurden nie bezahlt", erzählt die 85-Jährige.

Wissbegierig und abenteuerlustig war die Meranerin ihr Leben lang und Angst kannte sie nicht. Auch wenn es strengstens verboten war, gab sie im Geheimen Deutschunterricht und organisierte "Heimabende" im Ultental. Sie trat auch dem illegalen Verein der "Deutschen im Ausland" bei, der es ihr 1939 ermöglichte, ein Jahr lang in Berlin eine Schule zu besuchen. "Ich wollte Lehrerin werden", begründet Anni ihren Schritt. Zweimal nahm sie mit ihren Mitschülerinnen an einem Reichsparteitag teil. So kam es auch zum Händeschütteln mit dem Führer.

"Wir waren verblendet, niemand ahnte, was Hitler wirklich im Schilde hatte", erklärt Anni ihre damalige Begeisterung. Nach Südtirol zurückgekehrt tritt sie 1940 im Hotel "Laurin" in Bozen eine Stelle an. Dort lernt sie Peter Hofer, den Rittner Schneider und Leiter des VKS, des Völkischen Kampfrings Südtirol, kennen, der sie als Sekreträrin bei sich einstellt. Hofer war damals ganz mit der Options-Propaganda beschäftigt. Zwei Brüder fielen im Krieg, deshalb ließ Hofer Anni 1943 nach Hause zurückkehren.

Als es aber hieß, dass alle Büroangestellten eingezogen würden, folgte Anni dem Rat eines befreundeten Offiziers und trat in Triest eine Stelle in einem "Wehrmachtsarchiv" an. Erst später stellte sich heraus, dass es sich um eine Spionage-Funk-Abwehrstelle handelte. Glücklicherweise kam Anni noch vor Kriegsende nach Hause und entging so der Gefangenschaft.

Es folgen die Jahre des Wiederaufbaus: Anni führt 20 Jahre lang das "Café Darling", heiratete, und schenkt einer Tochter das Leben. Und dann ist da bis heute noch ihre Leidenschaft: das Malen. (sep)

(Burggräfler Rundschau, 13. Jänner 2001)


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Das Erzähl-Cafe

Mag. Stefan Pöhl - Biographie- und Gemeinwesenarbeit, Innsbruck

Im ersten Halbjahr des JahreS 2000 wurden fünf "Erzähl-Cafe"-Treffen organisiert. Senioren aus St. Michael erzählten dabei aus ihrem Leben - manche waren auch bereit, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Einige davon wurden im zweiten Teil dieser Zeitung veröffentlicht.

DIE BETEILIGTEN

Bei jeder der fünf Nachmittagsrunden waren neben älteren Menschen auch Jugendliche und junge Erwachsene anwesend. Geleitet wurden die Treffen von Lore Weis Meraner und Ingrid Pertoll Froner. Ich bin beruflich mit dem Fördern von Erinnerungsprojekten beschäftigt und werde deshalb auch dieses Projekt in St. Michael-Eppan eine Zeit lang begleiten.

DER ABLAUF

Beim "Erzähl-Cafe" stehen die alltäglichen Erlebnisse der Senioren, die aus der Erinnerung erzählt werden, im Vordergrund. Auf Einzelheiten, die im ersten Augenblick als nebensächlich erscheinen, wird durch Rückfragen immer wieder genau eingegangen. Das Einhalten der Gesprächsregeln ist von großer Bedeutung. Während die Älteren aus ihren Erinnerungen erzählen, bringen die jüngeren zum selben Thema ihre heutigen Erfahrungen ein. Die Gespräche werden immer auf Tonband aufgezeichnet.

DIE THEMEN

"Jung sein in Eppan" lautete das Rahmenthema. Für die einzelnen Erzähinachmittage bestimmten die Senioren selbst, weiche Themen zur Sprache kommen sollten: "Jugend und Freizeit", "Vom Verlieben bis zur Ehe", "Hochzeit früher - Hochzeit heute", "Junge Mutter sein".

ZIEL DES PROJEKTS

Es ist von großer Bedeutung, wenn ältere Menschen aus ihrem Leben erzählen. Aus ihren Erinnerungen ist viel zu erfahren, was sonst verloren gehen könnte. Das längerfristig geplante Projekt beabsichtigt, ältere Menschen zum Erzählen zu motivieren. Durch die Veröffentlichung von lebensgeschichtlichen Erzählungen könnten Gespräche unter den Lesern angeregt werden, bei denen es inhaltlich wieder um lebensgeschichtliche Erinnerungen geht. Dass die Erinnerungen der Senioren von St. Michael über den Ort hinaus von Wert sind, zeigte die Anwesenheit eines Filmteams beim Treffen zum Thema "Hochzeit früher - Hochzeit heute". Ausgestrahlt wurden die Aufnahmen vom RAI-Sender Bozen in der Sendung "Regenbogen" im Mai 2000.

FORTSETZUNG FOLGT

Das "Erzähl-Cafe" wird im ersten Halbjahr des JahreS 2001 fortgesetzt werden. Geplant sind weitere fünf Gesprächsrunden. Das erste Treffen findet am Donnerstag, 11. Jänner 2001, um 14.30 Uhr statt.

Wi(e)derhall Zeitung für Senioren des Seniorentreff St. Michael, Jänner 2001


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Seniorenprojekt Gossensaß abgeschlossen

Mit einem Generationendialog beendeten die Senioren um Anna Windisch Mitte Dezember ihr Jahresprojekt "Erinnerungen für Gossensß". Die in sieben Gesprächsrunden erarbeiteten Themen wurden aufgezeichnet, in einem kurzen Theaterstück dargestellt und mit Schülern aller drei Schulstufen erörtert. Die Ergebnisse sollen in einer kleinen Broschüre zu Pfingsten veröffentlicht werden. Das Gespräch mit den Oberschülern der Klasse 3 A der Handelsoberschule Sterzing drehte sich unter anderem um Ereignisse im Zweiten Weltkrieg, die faschistische Schule in der Zwischenkriegszeit, die Katakombenschule, Freizeit und Sport früher und heute.

rr [= Dr. Günther Ennemoser]

(Erker, Jänner 2001)


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